TMZ jagt jetzt Politiker: Wenn Klatschjournalismus auf Washington trifft
Elias LehmannTMZ jagt jetzt Politiker: Wenn Klatschjournalismus auf Washington trifft
Politik und Unterhaltung sind in den USA schon lange eng verflochten – doch die Grenzen verschwimmen zunehmend. Während ein ehemaliger Reality-TV-Star mittlerweile sein sechstes Jahr als Präsident regiert, prägen Prominente und Medien, die einst der Popkultur zugeordnet waren, heute die politische Berichterstattung. Die jüngste Entwicklung: TMZ, ein Klatschportal, das für seine Jagd auf Stars bekannt ist, richtet seine Kameras nun auf Politiker in Washington.
Das Portal wurde 2005 von Harvey Levin gegründet, einem Anwalt und Medienmacher aus Los Angeles, der für seine aggressive Berichterstattung bekannt ist. TMZ, berüchtigt für seine paparazzihafte Berichterstattung über Prominente, hat nun Politiker ins Visier genommen. Mit seinem neuen Büro in Washington, TMZ DC, schickt das Portal Reporter aus, um Abgeordnete in der Öffentlichkeit zur Rede zu stellen – und bittet die Öffentlichkeit, ungestellte Fotos von Amtsträgern einzusenden.
Die Aktion sorgt bereits für virale Momente. Ein aktuelles Bild zeigte Senator Lindsey Graham mit einem Zauberstab in Disney World. Selbst Verteidigungsminister Pete Hegseth nahm in einer Pressekonferenz im Pentagon Bezug auf die Präsenz von TMZ in politischen Kreisen und bezeichnete die Reporter als "neue Mitglieder unserer Pressegruppe".
Doch dieser Crossover ist kein Novum. In der aktuellen Regierung sitzen mit einer ehemaligen Wrestling-Managerin und einem Ex-Real-World-Darsteller gleich zwei Persönlichkeiten aus der Unterhaltungsbranche im Kabinett. Erst kürzlich besuchten mehr als ein halbes Dutzend Stars der Real-Housewives-Reihe den Capitol Hill. Gleichzeitig bleibt die Zustimmung zu Politikern auf Tiefstand: Laut Gallup lehnen 86 Prozent der Amerikaner den Kongress ab – ein Rekordwert –, während Umfragen von AP-NORC zeigen, dass nur 33 Prozent mit der Amtsführung des Präsidenten zufrieden sind.
Mit dem Vorstoß von TMZ in die politische Berichterstattung erreicht die Vermischung von Unterhaltung und Politik eine neue Stufe. Wenn Abgeordnete nun derselben öffentlichen Kontrolle unterliegen wie Prominente, spiegelt das einen grundlegenden Wandel in der politischen Medienlandschaft wider. Wie die Öffentlichkeit darauf reagiert – und ob dieser Ansatz den politischen Journalismus nachhaltig verändert –, bleibt abzuwarten.






