Thüringens Pilotprojekt gegen digitale sexualisierte Gewalt zeigt bundesweite Wirkung
Anna KrauseThüringens Pilotprojekt gegen digitale sexualisierte Gewalt zeigt bundesweite Wirkung
Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen rückt digitale sexualisierte Gewalt in den Fokus
Ein dreijähriges Modellprojekt in Thüringen hat das Thema digitale sexualisierte Gewalt in den Mittelpunkt gerückt. Yasmina Ramdani leitete Workshops an Schulen und erreichte rund 5.000 Schüler:innen, um ein Problem zu bekämpfen, das fast die Hälfte der Jugendlichen betrifft. Die Initiative, finanziert vom Landesjugendamt, diente seitdem als Vorbild für ähnliche Programme in ganz Deutschland.
Zwischen 2020 und 2023 richteten sich Ramdanis Workshops an Schüler:innen der fünften bis achten Klasse. Die Veranstaltungen sollten digitale Erlebnisse in reale Gespräche übersetzen, um es Jugendlichen zu erleichtern, digitale sexualisierte Gewalt zu erkennen und dagegen vorzugehen. Eine häufige Form ist Cybergrooming, bei dem Täter:innen über Chats das Vertrauen von Minderjährigen gewinnen, um sie später zu belästigen oder zu missbrauchen. Bis 2025 gaben fast ein Viertel der Jugendlichen an, solche Erfahrungen gemacht zu haben.
Lehrkräfte erkennen das Problem zwar oft an, fühlen sich aber schlecht darauf vorbereitet. Viele Vorfälle ereignen sich zudem in Freundeskreisen oder Klassenchats, was die Präventionsarbeit zusätzlich erschwert. Der Erfolg des Projekts führte dazu, dass es seit seinem Abschluss an etwa 1.200 Schulen bundesweit übernommen wurde.
Das Thema erhielt weitere Aufmerksamkeit, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann, Christian Ulmen, erhoben hatte – ein Beispiel für die wachsende Wahrnehmung digitaler Gewalt. Expert:innen betonen, dass Prävention weitaus kostengünstiger ist als die Bewältigung langfristiger Folgen. Auch Eltern werden dazu aufgefordert, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen.
Die Wirkung des Pilotprojekts beschränkt sich nicht auf Thüringen: In ganz Deutschland setzen Schulen mittlerweile ähnliche Workshops um. Fast jede:r zweite junge Mensch ist laut Daten des Bundesgesundheitsministeriums von sexualisierter Gewalt im Netz betroffen. Frühe Aufklärung und offener Austausch bleiben entscheidend, um das Problem wirksam zu bekämpfen.






