12-Stunden-Regel bei Spritpreisen: Warum Tankstellen jetzt mehr verdienen als je zuvor
Amelie Seidel12-Stunden-Regel bei Spritpreisen: Warum Tankstellen jetzt mehr verdienen als je zuvor
Eine neue Regelung, die begrenzt, wie oft deutsche Tankstellen die Spritpreise erhöhen dürfen, hat zu höheren Gewinnen in der Ölindustrie geführt. Die am 1. April eingeführte 12-Stunden-Beschränkung sollte eigentlich die Kosten stabilisieren, doch in den ersten beiden Wochen stieg der Durchschnittsgewinn bei Superbenzin um rund 6 Cent pro Liter. Kritiker hatten bereits im Vorfeld gewarnt, dass die Maßnahme die Preise eher in die Höhe treiben als sie zu deckeln könnte.
Die Vorschrift, die sich an einem österreichischen Modell orientiert, verbietet Tankstellen, die Preise öfter als einmal alle zwölf Stunden anzuheben. Forscher des ZEW Mannheim und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) werteten Daten des Markttransparenzstellen für Kraftstoffe aus, um die Auswirkungen zu analysieren. Ihre Ergebnisse zeigen: Während die Dieselpreise unverändert blieben, stieg die Marge bei Superbenzin deutlich an.
Besonders ausgeprägt war dieser Effekt in Süddeutschland. Kleine Tankstellenketten und unabhängige Betreiber profitierten stärker als große Marken – ihre Gewinnsteigerungen fielen höher aus als bei den größeren Konkurrenten. Experten hatten zuvor befürchtet, dass die Regelung Tankstellen dazu verleiten könnte, die Preise präventiv zu erhöhen, da sie wissen, dass sie sie für zwölf Stunden nicht mehr anpassen dürfen.
Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Regelung nicht die Verbraucher schützt, sondern den Verkäufern einen Vorteil verschafft. Tankstellen haben nun einen stärkeren Anreiz, die Preise früher zu erhöhen, in dem Wissen, dass für zwölf Stunden keine weiteren Anpassungen möglich sind.
Bisher zeigt die 12-Stunden-Regel gemischte Wirkungen. Zwar sollte sie schnelle Preisschwankungen eindämmen, doch stattdessen stieg die Marge bei Superbenzin. Wie sich die Maßnahme langfristig auswirkt, bleibt unklar – erste Daten legen jedoch nahe, dass vor allem kleinere Betreiber von der Änderung profitieren.






