Wie Nachbarschaftshelfer in Deutschland Senioren und Pflegebedürftige entlasten
Elias LehmannNachbarschaftshilfe wächst in Sachsen-Anhalt - Wie Nachbarschaftshelfer in Deutschland Senioren und Pflegebedürftige entlasten
Ein wachsendes Netzwerk von Nachbarschaftshelfern unterstützt ältere und pflegebedürftige Menschen in ganz Deutschland
Immer mehr ehrenamtliche Nachbarschaftshelfer leisten in Deutschland unverzichtbare Unterstützung für Senioren und pflegebedürftige Menschen. Die Freiwilligen helfen bei Alltagsaufgaben – vom Einkaufen bis hin zu Arztbesuchen. Doch viele, die Anspruch auf finanzielle Förderung hätten, wissen nichts von dem Angebot. Allein in Sachsen-Anhalt haben bereits über 4.000 Helfer eine Schulung absolviert, bundesweite Zahlen liegen jedoch noch nicht vor.
Die 60-jährige Kerstin Kränzel begleitet wöchentlich eine ältere Dame mit eingeschränkter Mobilität beim Einkaufen. Ihr Engagement wurzelt in Erfahrungen aus der DDR-Zeit, als Nachbarn sich gegenseitig halfen. Wie Kränzel sind die meisten Helfer Frauen – 70 Prozent von ihnen sind Rentnerinnen oder stehen kurz vor dem Ruhestand.
Die Aufgaben der Nachbarschaftshelfer sind klein, aber wichtig: Sie erledigen Besorgungen, räumen Wohnungen auf oder begleiten Menschen zu Terminen. Dennoch zögern manche, das Angebot anzunehmen – aus Scham oder schlicht, weil sie es nicht kennen. Wer die Hilfe in Anspruch nimmt, kann bis zu 131 Euro monatlich über die Pflegeversicherung erstattet bekommen, doch die Nutzung bleibt gering.
Die Initiative wächst: In Sachsen-Anhalt stieg die Zahl der Nutzer 2023 von 299 auf 1.814. Bis Jahresende sollen weitere Schulungen stattfinden. Ähnliche Projekte gibt es in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Hessen, wo Freiwillige wie in Geisenheim bereits seit über einem Jahrzehnt aktiv sind.
Eine ehemalige Helferin erklärt ihr Motiv: Sie wolle enge Gemeinschaften stärken und Einsamkeit im Alter vorbeugen. Doch ohne bessere Bekanntheit bleibt das volle Potenzial des Programms ungenutzt.
Die Nachfrage nach Nachbarschaftshilfe steigt, doch Hindernisse wie Informationsmangel bremsen die Teilnahme. Mit mehr Schulungen und Aufklärung könnte das Angebot Tausenden weiteren Bedürftigen helfen. Bis dahin schließen Freiwillige wie Kerstin Kränzel die Versorgungslücken – eine wöchentliche Einkaufstour nach der anderen.