Protestwelle gegen Kürzung der Psychotherapie-Honorare ab 2026
Geplante Kürzung der Erstattungssätze für ambulante Psychotherapie um 4,5 Prozent löst bundesweite Kritik aus
Die für April 2026 vorgesehene Senkung der Vergütungssätze für ambulante Psychotherapie um 4,5 Prozent hat in Deutschland massive Proteste ausgelöst. Die vom Erweiterten Bewertungsausschuss beschlossene Maßnahme stößt bei Therapeuten, Patientenvereinigungen und Kommunalpolitikern auf scharfen Widerstand. Bereits jetzt formiert sich Widerstand – für den 26. März ist eine Demonstration in Mainz geplant.
Begründet wird die Kürzung von den Krankenkassen mit überdurchschnittlich hohen Honorarsteigerungen für niedergelassene Psychotherapeuten in den vergangenen Jahren. Doch Fachverbände widersprechen dieser Argumentation vehement: Lange Wartezeiten auf Therapieplätze seien vielmehr ein Beleg für eine chronische Unterversorgung und nicht für ein Überangebot. Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) sprach von einem "verhängnisvollen Signal", während der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (KBV) die Entscheidung als "empörend" brandmarkte – mit der Warnung, dass vor allem Patienten die Leidtragenden sein würden.
Auch die Mainzer Stadtverwaltung äußerte Besorgnis: Die Kürzungen könnten die Wartezeiten für gesetzlich Versicherte weiter verlängern und Kapazitäten zugunsten privat Versicherter umverteilen. Die Kommune forderte die Politik zum Umdenken auf und verwies auf die besonderen Risiken für vulnerable Gruppen – etwa Jugendliche, Menschen in Krisen oder solche mit kaum sozialer Absicherung. Bundesweite Daten zur Verfügbarkeit von Therapieplätzen bleiben zwar lückenhaft, doch Berichte deuten auf einen generellen Rückgang hin. So wurden etwa in Tübingen stationäre Betten abgebaut.
Unter dem Motto "Psychotherapie rettet Leben" findet am 26. März um 16 Uhr auf dem Vorplatz des Mainzer Hauptbahnhofs eine Kundgebung gegen die Kürzungen statt. Die Organisatoren betonen, dass Psychotherapie entscheidend dazu beitrage, Menschen in schwierigen Lebenslagen zu stabilisieren und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen – was langfristig sogar die Gesundheitskosten senke.
Trotz des massiven Widerstands soll die 4,5-Prozent-Kürzung im April 2026 wie geplant in Kraft treten. Kritiker warnen, dass die reduzierte Finanzierung den Zugang zu Therapien weiter erschweren werde – besonders für diejenigen, die bereits heute vergeblich nach schnelle Hilfe suchen. Ob die Proteste noch eine Kehrtwende in der Politik bewirken, bleibt abzuwarten.






