Norddeutsche Länder fordern radikale Reform der Erbschaftsteuer für mehr Gerechtigkeit
Amelie SeidelNorddeutsche Länder fordern radikale Reform der Erbschaftsteuer für mehr Gerechtigkeit
Finanzminister der norddeutschen Bundesländer drängen auf eine grundlegende Reform der Erbschaftsteuer. Sie kritisieren, dass das aktuelle System es einigen großen Vermögen ermöglicht, fast steuerfrei vererbt zu werden, während andere mit hohen Abgaben belastet werden. Ein zentraler Punkt ist die Neuregelung von Freibeträgen für Betriebsvermögen und große Immobilienbestände.
Als markantes Beispiel führten die Minister einen Fall aus dem Jahr 2024 an: Ursprünglich veranschlagte Steuern in Höhe von 3,6 Milliarden Euro in 45 Fällen wurden auf rund 200 Millionen Euro reduziert – eine Entlastung von etwa 95 Prozent. Dies wirft Fragen nach Gerechtigkeit und der Wirksamkeit der bestehenden Vorschriften auf.
Vorgeschlagen wird, Stundungsmöglichkeiten für Unternehmen auszuweiten, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Gleichzeitig lehnen die Minister eine vollständige Abschaffung der Erbschaftsteuer oder eine Übertragung der Kompetenzen auf die Länder ab. Auch Familienstiftungen, die zunehmend als Steuervermeidungsinstrument beworben werden, sollen genauer unter die Lupe genommen werden.
Geprüft werden zudem Sonderregelungen für große Wohnimmobiliengesellschaften sowie Freibeträge und Tarife. Noch in diesem Jahr wird eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftsteuer erwartet, die die Reformen beeinflussen könnte.
Ziel ist ein System, das fair, verfassungskonform und finanziell stabil ist. Die Reformen sollen den Spannungsbogen zwischen Einnahmebedarf und der Förderung von Unternehmen und Arbeitsplätzen austarieren. Die Änderungen könnten die Besteuerung großer Erben und Unternehmensvermögen künftig grundlegend verändern.






