Kinder- und Jugendhilfe vor radikaler Reform: Pauschalen statt individueller Förderung
Jakob KrausKinder- und Jugendhilfe vor radikaler Reform: Pauschalen statt individueller Förderung
In Deutschland stehen tiefgreifende Reformen des Kinder- und Jugendhilfesystems bevor. Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die bisher individuelle Förderung durch standardisierte Pauschalleistungen ersetzen soll. Nach Angaben der Behörden sollen die Änderungen langfristig Milliarden einsparen.
Das geplante Gesetz verlagert die Eingliederungshilfe vom Neunten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB IX) ins Achte Buch (SGB VIII) und führt die Leistungen in einem System zusammen. Damit soll die Gewährung von Unterstützung vereinfacht werden. Allerdings könnten Streitigkeiten darüber entstehen, ob Hilfen wegen einer Behinderung oder aus anderen Gründen erforderlich sind.
Die Reformen schaffen zudem den gesetzlichen Anspruch auf persönliche Beratung ab. Stattdessen erhalten Familien Zugang zu breiter angelegten Bildungsförderprogrammen. Die Änderungen sind Teil eines umfassenden Vorhabens zur Neugestaltung der Sozialstrukturen.
Die Einsparungen sollen schrittweise steigen: Bis 2028 rechnet die Regierung mit Kürzungen in Höhe von 200,6 Millionen Euro, bis 2036 könnten die jährlichen Ersparnisse dann auf 2,7 Milliarden Euro anwachsen. Die volle finanzielle Wirkung wird jedoch Jahre brauchen, da viele Maßnahmen bundesweit umgesetzt werden müssen.
Das Gesetz verspricht langfristige Entlastungen für Bund, Länder und Kommunen. Sein Erfolg hängt jedoch von einer reibungslosen Umsetzung in ganz Deutschland ab. Der Wechsel von maßgeschneiderter Förderung zu standardisierten Leistungen markiert einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie Familien Unterstützung erhalten.






