Humboldt Forum: Fünf Jahre zwischen Glanz und kritischer Distanz
Das Humboldt Forum eröffnete vor fünf Jahren als bedeutender Kulturort in Berlin. Seitdem hat es Lesungen, Aufführungen, Konzerte und Diskussionen zu globalen Themen veranstaltet. Doch trotz seines anspruchsvollen Programms fällt es dem Haus schwer, ein lokales Publikum zu erreichen.
Von Anfang an beherbergte das Humboldt Forum das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Viele Kritiker nannten das Projekt einen verfehlten Versuch, manche sogar einen schlechten Scherz. Seine prunkvolle, palastartige Architektur und die kolonialen Assoziationen stießen bei manchen Besuchern bereits vor dem Betreten auf Ablehnung.
Die offiziellen Besucherzahlen wurden oft übertrieben dargestellt. 2021 besuchten nur etwa 634.000 Menschen die Ausstellungen. Zudem bietet der Standort selbst kaum Rückzugsorte in der Nähe, sodass Besuche oft unvollendet wirken.
Dennoch hat das Forum wichtige Debatten angestoßen. Es rückte Themen wie Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt in den öffentlichen Fokus. Seine Veranstaltungen setzen sich mit drängenden Fragen auseinander – etwa dem demokratischen Abbau, globaler Ungerechtigkeit oder Bedrohungen der künstlerischen Freiheit. Sarah Ama Duahs Performance to build to bury to remember hinterfragte koloniale Perspektiven, indem sie Objekte als lebendige, autonome Körper behandelte.
Eine kürzliche Diskussion im Forum beschäftigte sich mit dem Schicksal eines brasilianischen Flusses, der unter einem Einkaufszentrum verschwand und später als Denkmal wieder auftauchte. Solche Programmpunkte zeigen, wie das Forum komplexe, zeitgenössische Themen aufgreifen kann.
Das Humboldt Forum bleibt ein polarisierender Ort. Seine physische Präsenz und historische Verstrickungen schaffen eine Distanz zur Stadt, der es dienen will. Doch seine Rolle als Plattform für schwierige, aber notwendige Gespräche hält es in der kulturellen und politischen Debatte relevant.
