Hitzacker Sommer-Musiktage feiern Haydn als radikalen Erneuerer der Klassik
Jakob KrausHitzacker Sommer-Musiktage feiern Haydn als radikalen Erneuerer der Klassik
Die 81. Hitzacker Sommer-Musiktage finden vom 25. Juli bis zum 2. August 2023 statt. In diesem Jahr steht das Festival ganz im Zeichen Joseph Haydns – nicht als der vertraute „Papa Haydn“, sondern als mutiger Erneuerer. Der künstlerische Leiter Oliver Wille prägt die Veranstaltung mit einer frischen Sicht auf das Vermächtnis des Komponisten.
Wille möchte Haydns scharfen Witz und seine unmittelbare Wirkung durch neue Interpretationen erschließen. Die Musik beschreibt er als rein und tief berührend – besonders in einer heute so unsteten Welt. Das Programm stellt gängige Klischees über den Komponisten infrage.
Das Festival bietet ein vielseitiges Programm: von Igor Levits Klaviermarathon bis zu Til Brönners Jazz-Adaptionen Haydnscher Werke. Auch das Hamburg Ballett präsentiert eine tanzende Version der „Sieben letzten Worte“. Doch Wille geht es um mehr als nur Musik – er bezieht offen Stellung zu branchenspezifischen Themen.
So äußerte er sich zu den jüngsten Vorwürfen gegen den Dirigenten John Eliot Gardiner und forderte mehr Sensibilität in der Klassikszene. Wille betonte die Notwendigkeit einer kollektiven Verantwortung, um neue Maßstäbe zu setzen. Gleichzeitig kritisierte er oberflächliche Versuche, junge Zielgruppen zu erreichen – etwa durch Trendthemen statt inhaltlicher Tiefe.
Als Vizepräsident einer Musikakademie setzt er sich für frühere musikalische Bildung in Schulen und Kindergärten ein. Wille ist überzeugt: Schon die Mühe, ein Konzert zu besuchen, hat für die Zuhörer einen eigenen Wert.
Das Festival inszeniert Haydn in neuem Licht – durch vielfältige und innovative Formate. Wille steht damit für einen größeren Wandel, wie klassische Musik vermittelt, geteilt und erlebt wird. Neun Tage lang verbindet die Veranstaltung Tradition mit modernen Perspektiven.
