07 May 2026, 22:07

Historiker Möller warnt vor gefährlichen Geschichtsvergleichen in der Politik

Diagramm mit miteinander verbundenen Kreisen und Pfeilen, das die Ursachen des Ersten Weltkriegs darstellt, begleitet von erklärendem Text auf Papier.

Historiker Möller warnt vor gefährlichen Geschichtsvergleichen in der Politik

Historiker Horst Möller warnt vor vereinfachten Geschichtsvergleichen in öffentlichen Debatten

Der Historiker Horst Möller hat davor gewarnt, in öffentlichen Diskussionen voreilige und vereinfachende historische Vergleiche anzustellen. Sein Argument: Wer einzelne Ereignisse aus dem Kontext reißt, riskiert ein verzerrtes Verständnis der Geschichte. Diese Mahnung kommt zu einer Zeit, in der Medien und Politiker zunehmend Parallelen zwischen aktuellen Entwicklungen und vergangenen Regimen ziehen.

Möller verweist darauf, wie häufig historische Bezüge heute in Debatten auftauchen. So wurden etwa Kritiker der Corona-Maßnahmen mit Sophie Scholl verglichen, während Wladimir Putin immer wieder mit Hitler gleichgesetzt wird. Das Magazin Stern zeigte Donald Trump sogar auf seinem Titelblatt mit Hitlergruß und der Schlagzeile „Sein Kampf“ – eine Anspielung auf Hitlers „Mein Kampf“. Auch der Spiegel griff zu provokanten Bildmotiven: Trump als Komet, der auf die Erde stürzt, oder mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in der Hand.

Der Historiker betont, wie problematisch solche Vergleiche sind. Er weist darauf hin, dass der Untergang der Weimarer Republik sich über zwölf Jahre hinzog, während sich die Herausforderungen der Bundesrepublik über 76 Jahre erstreckten – mit einem allmählicheren Schwinden der Unterstützung für die Volksparteien. Möller lehnt zudem die Vorstellung eines „deutschen Sonderwegs“ in die Diktatur ab und verweist darauf, dass auch andere Demokratien in Krisenzeiten gescheitert seien.

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Zwar räumt er gewisse Ähnlichkeiten zwischen der Weimarer Zeit und dem heutigen Deutschland ein, doch Möller besteht darauf, dass nur ganze historische Abläufe – nicht einzelne Momente – miteinander verglichen werden sollten. Die AfD stuft er nicht als „faschistische“ Partei ein, da ihr ein historisch verankerter „Führerkult“ fehle. Vielmehr sei es erst im Rückblick möglich, präzise Vergleiche zu ziehen.

Möllers Aussagen unterstreichen die Gefahren vorschneller Geschichtsanalogien. Er mahnt zur Vorsicht und warnt, dass in öffentlichen Debatten oft die langfristigen Folgen außer Acht gelassen würden. Seine Haltung stellt die häufige Verwendung dramatischer historischer Vergleiche in Politik und Medien infrage.

Quelle