Golfkrieg trifft Villeroy & Boch: Finanzprognose für 2026 drastisch gesenkt
Amelie SeidelIranischer Krieg belastet Ausblick für Villeroy & Boch - Golfkrieg trifft Villeroy & Boch: Finanzprognose für 2026 drastisch gesenkt
Villeroy & Boch senkt Finanzprognose für 2026 nach Eskalation des Golfkonflikts zum vollen Krieg
Nach der Zuspitzung der Auseinandersetzungen am Golf zu einem großflächigen Krieg hat Villeroy & Boch seine Finanzziele für 2026 deutlich nach unten korrigiert. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Rückgang der Umsätze um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz im kommenden Jahr. Steigende geopolitische Spannungen und einbrechende Verkäufe in Schlüsselmärkten zwangen das Unternehmen zur Anpassung seiner Prognose.
Der Hersteller von Luxuskeramik und Badeinrichtungen hatte noch im März 2024 ein stabiles Wachstum vorausgesagt. Doch der US-Iran-Konflikt, der Ende Februar 2026 eskalierte, hat den Handel gestört und die Nachfrage in entscheidenden Regionen einbrechen lassen.
Der Krieg begann am 28. Februar 2026, als US-israelische Luftangriffe Irans Obersten Führer Ali Chamenei töteten. Der Iran reagierte mit Drohnen- und Raketenangriffen auf Energiestandorte in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Kuwait, Oman und Bahrain. Mindestens 16 Zivilisten kamen ums Leben, über 100 wurden verletzt, und die Ölförderung in Teilen des Golfs kam zum Erliegen. Eine Blockade der Straße von Hormus trieb die Ölpreise von 72 auf über 82 Dollar pro Barrel und die Gaspreise von 31 auf über 50 Euro pro Megawattstunde in die Höhe.
Villeroy & Bochs Hotelkunden in Israel und den Golfstaaten – einst verlässliche Umsatzquellen – haben inzwischen alle Bestellungen eingestellt. Die April-Umsätze in diesen Regionen dürften nur noch bei 30 Prozent des Vorjahresniveaus liegen. In den letzten Wochen erzielte das Unternehmen dort keinerlei Erlöse.
Trotz der aktuellen Krise zeigte das Geschäftsjahr 2025 noch Wachstum: Der Umsatz stieg um 1,8 Prozent auf rund 1,45 Milliarden Euro, während sich der Nettogewinn von 6,6 Millionen Euro (2024) auf 14,7 Millionen Euro mehr als verdoppelte. Das Unternehmen investierte 2025 zudem 45,8 Millionen Euro, unter anderem in die Modernisierung der Lagerkapazitäten am Standort Merzig und die Einführung neuer Brenntechnologie in Torgau. Für 2026 sind weitere 50 Millionen Euro vorgesehen.
Zur Kostensenkung schloss Villeroy & Boch 2025 sein Werk in Roeselare (Belgien). Dennoch wird das bereinigte EBIT für 2026 nun nur noch auf 75 bis 85 Millionen Euro geschätzt – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 97,8 Millionen Euro im Vorjahr. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges – unterbrochene Lieferketten, explodierende Energiepreise und schwindendes Verbrauchervertrauen – haben die bisherigen Fortschritte zunichtegemacht.
Die überarbeitete Prognose für 2026 spiegelt die unmittelbaren Auswirkungen des Golfkriegs auf die Geschäfte von Villeroy & Boch wider. Ohne Einnahmen aus dem Israel- und Golf-Hotelmarkt steht das Unternehmen vor einem stärkeren Einbruch als zunächst angenommen. Zwar werden die Modernisierungsinvestitionen fortgesetzt, doch die wirtschaftlichen Nachwehen des Konflikts werden die Performance im kommenden Jahr voraussichtlich belasten.






