10 May 2026, 20:07

Flaggenstreit in der Weimarer Republik: Wie Hindenburgs Erlass die Nation spaltete

Deutsche Flagge über informativem Text auf dem Plakat

Flaggenstreit in der Weimarer Republik: Wie Hindenburgs Erlass die Nation spaltete

Der Flaggenstreit im Weimarer Deutschland erreichte Mitte der 1920er Jahre einen Höhepunkt. Die politischen Gräben zwischen den Nationalfarben – Schwarz-Weiß-Rot gegen Schwarz-Rot-Gold – durchdrangen den Alltag und führten zu Auseinandersetzungen in Schulen, Kirchen und selbst an Stränden. Am 5. Mai 1926 griff Reichspräsident Paul von Hindenburg mit einem umstrittenen Erlass ein, um die Spannungen zu entschärfen.

Der Konflikt hatte sich jedoch schon lange vor Hindenburgs Eingreifen zugespitzt. Bei der Präsidentschaftswahl 1925 standen sich zwei Lager gegenüber: der „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und der „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“. Hindenburg, unterstützt von den rechtspopulistischen Parteien DNVP und DVP, setzte sich als Kandidat der kaiserlichen Farben durch. Sein Sieg vertiefte die Spaltung nur weiter – selbst die Kommunisten positionierten sich nun klar hinter Schwarz-Rot-Gold, eine Haltung, die sich seit der Revolution von 1918/19 verfestigt hatte.

Der Streit war nicht nur politisch, sondern auch persönlich. Schüler prügelten sich wegen der Farben ihrer Mützenbänder, Pfarrer hissten in Kirchen die kaiserliche Flagge, und Badende schmückten ihre Sandburgen mit den verfeindeten Farben. Der Reichskunstwart hatte das Problem nicht lösen können, sodass die Nation ohne eine einheitliche Flagge blieb.

Anfang 1926 schlug Reichskanzler Hans Luther, ein parteiloser Politiker, einen Kompromiss vor, nachdem die DVP die Wiedereinführung der alten kaiserlichen Farben gefordert hatte. Hindenburg übernahm den Plan und erließ die Zweite Flaggenverordnung. Sie bestimmte, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas sowohl die republikanische Trikolore als auch die Handelsflagge – eine Mischung aus kaiserlichen und nationalen Symbolen – hissen mussten. Zudem veröffentlichte Hindenburg einen offenen Brief, in dem er eine verfassungsrechtliche Lösung forderte, um die Gräben zu überbrücken. Doch der Schritt befeuerte nur die Linke und das bürgerliche Zentrum, die darin ein Zugeständnis an reaktionäre Kräfte sahen.

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Die Verordnung konnte die Spaltung nicht überwinden. Im Gegenteil: Sie zementierte den Gegensatz zwischen den Anhängern der Republik und den Nostalgikern des alten Kaiserreichs. Noch Jahre später blieb die Flaggenfrage ein Zankapfel – ein sichtbares Symbol für Deutschlands ungelösten Identitätskonflikt.

Quelle