Entwicklungshilfe in der Krise: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Geld
Jakob KrausEntwicklungshilfe in der Krise: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Geld
Die Generalsekretäre von Welthungerhilfe und Terre des Hommes haben am Mittwoch ihren Jahresrückblick zur deutschen Entwicklungspolitik vorgestellt. Mathias Mogge und Joshua Hofert warnten, dass sich verschärfende Krisen, Kriege und der Klimawandel die humanitäre Hilfe zunehmend unter Druck setzten.
Mogge und Hofert begrüßten zwar die Pläne der Bundesregierung zur Reform der Entwicklungspolitik, kritisierten jedoch, dass es an einer klaren Strategie fehle. Sie forderten eine stärkere Einbindung der Zivilgesellschaft und der Partnerländer bei der Ausgestaltung der Veränderungen.
Mogge betonte, dass die Reformen die Qualität der Hilfe vor die Menge stellen müssten. Er plädierte für weniger Bürokratie, mehr Autonomie für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und ein Gleichgewicht zwischen kurzfristiger Nothilfe und langfristiger Präventionsförderung. Der Bericht wies zudem darauf hin, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit stärker an den Bedürfnissen lokaler Akteure ausgerichtet werden müsse – andernfalls drohten Spannungen zwischen deutschen Interessen und denen der Partnerstaaten.
Hofert ergänzte, dass die Reform nicht allein aus Berlin gesteuert werden dürfe. Er bestand auf einer frühzeitigen und verbindlichen Beteiligung der Partnerländer, der lokalen Zivilgesellschaft und junger Menschen. Die NGOs verwiesen außerdem darauf, dass die zunehmende Politisierung der Entwicklungshilfe deren Neutralität und Unabhängigkeit gefährde.
Seit 2022 hat die Bundesregierung das Budget für Entwicklungszusammenarbeit um ein Drittel gekürzt. Für 2027 sind weitere Kürzungen geplant. Als Reaktion forderten die Organisationen, die Mittel für humanitäre Hilfe im nächsten Haushalt auf 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen – ein deutlicher Anstieg gegenüber den derzeitigen 1 Milliarde Euro.
Der Bericht unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf, um die Lücken in der deutschen Entwicklungspolitik zu schließen. Gefordert werden mehr Finanzmittel, weniger Bürokratie und eine stärkere Rolle für lokale und zivilgesellschaftliche Stimmen. Ohne diese Änderungen, so die Warnung der NGOs, werde die Wirksamkeit der Hilfe weiter abnehmen.
