Energyfish: Schwimmende Mini-Turbine revolutioniert die Flussstrom-Erzeugung
Jakob KrausEnergyfish: Schwimmende Mini-Turbine revolutioniert die Flussstrom-Erzeugung
Das Unternehmen Energyminer hat eine kleine, schwimmende Strömungsturbine namens Energyfish entwickelt. Das Gerät wird in Flüssen verankert und liefert Strom ans Ufer – ganz ohne Staudämme oder aufwendige Bauarbeiten. Es steht für einen neuen Ansatz, um Flussenergie modular und skalierbar zu nutzen.
Jede Energyfish-Einheit misst etwa 2,8 Meter in der Länge, 2,4 Meter in der Breite und 1,4 Meter in der Höhe. Bei einem Gewicht von rund 80 Kilogramm kann sie bis zu 6 Kilowatt (kW) Leistung erzeugen, im Durchschnitt sind es 1,8 kW. Für einen effizienten Betrieb benötigt das System mindestens einen Meter Wassertiefe und eine Strömungsgeschwindigkeit von mindestens einem Meter pro Sekunde.
Laut Hersteller kann eine einzelne Einheit jährlich etwa 15 Megawattstunden (MWh) erzeugen. Ein Schwarm von 100 Turbinen käme auf rund 1,5 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr. Die Installation geht schnell vonstatten: Zehn Einheiten lassen sich nach Genehmigung in etwa drei Tagen einsetzen, da weder Beton noch große Baumaßnahmen erforderlich sind.
Energyminer gibt die gestützten Stromgestehungskosten über eine Projektlaufzeit von 20 Jahren mit etwa 0,08 Euro pro Kilowattstunde an. Darin enthalten sind Investitionen, Betrieb und Wartung, bei einer erwarteten durchschnittlichen Jahresrendite von mindestens 8 Prozent. Die Technologie ist weder ein Staudamm noch ein klassisches Laufwasserkraftwerk oder ein Laborprototyp, sondern eine praxistaugliche Lösung für geeignete Standorte.
Aktuell werden 124 Energyfish-Einheiten in St. Goar am Rhein installiert – die erste Schwarmkraftanlage dieser Größe. Flüsse können in manchen Regionen zuverlässigere Energie liefern als Sonne oder Wind, unterliegen aber dennoch saisonalen Schwankungen, Hochwasser, Niedrigwasser oder Eisbildung in kälteren Gebieten.
Das System könnte vor allem abgelegenen Gemeinden zugutekommen, die auf Dieselgeneratoren angewiesen sind – vorausgesetzt, es steht eine starke Strömung zur Verfügung. In netzgebundenen Regionen Europas müsste sich die Technologie mit anderen Energiequellen wie Solar-, Windkraft, Batteriespeichern oder Netzausbau messen. Die erste Großinstallation läuft nun an und zeigt das Potenzial der skalierbaren, modularen Flussenergie auf.
