BP verkauft deutsche Raffinerie und erhöht Sparziele trotz Ölpreis-Anstieg
Jakob KrausBP verkauft deutsche Raffinerie und erhöht Sparziele trotz Ölpreis-Anstieg
BP treibt seine große Umstrukturierung voran, während die Ölpreise steigen und der Marktdruck zunimmt. Das Unternehmen hat seine Sparziele erhöht und verkauft wichtige Vermögenswerte – darunter auch eine deutsche Raffinerie. Gleichzeitig verschärfen globale Lieferengpässe bei Öl und Arbeitskonflikte die Herausforderungen.
Erst kürzlich schloss BP den Verkauf seiner Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group ab. Mit dem Deal wechseln rund 1.800 Mitarbeiter den Besitzer, und BP streicht Verbindlichkeiten in Höhe von bis zu 1,7 Milliarden Dollar aus seiner Bilanz. Die Anlage verarbeitet jährlich 12 Millionen Tonnen Rohöl und zählt damit zu den größten Veräußerungen im Rahmen von BPs aktueller Strategie.
Bis 2027 will das Unternehmen nun Vermögenswerte im Wert von 20 Milliarden Dollar veräußern – mehr als die Hälfte dieses Ziels ist bereits erreicht. Parallel dazu hat BP sein Kostensenkungsziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden Dollar bis 2027 angehoben. Diese Maßnahmen sollen die finanzielle Position des Konzerns in einem volatilen Ölmarkt stärken.
Die Ölpreise sind auf etwa 112 Dollar pro Barrel gestiegen, nachdem Blockaden in der Straße von Hormus fast 20 Prozent der globalen Öl- und Flüssiggastransporte unterbrochen hatten. Der Preisanstieg trifft BP in einer Phase innerbetrieblicher Spannungen: Rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte der Whiting-Raffinerie in Indiana sind aktuell ausgesperrt. Die Unternehmensführung betont zwar, die Produktion bleibe weitgehend unbeeinträchtigt, doch die Verhandlungen stocken weiterhin.
Seit Anfang 2025 hat BP rund 15 Prozent seines Börsenwerts verloren – von etwa 85 Milliarden Pfund auf 72 Milliarden Pfund. Der Rückgang spiegelt sinkende Ölpreise, strengere europäische Vorschriften für fossile Brennstoffe und Bedenken der Anleger wider, dass der Konzern den Umstieg auf erneuerbare Energien nur zögerlich vollzieht. Als Reaktion beschleunigt BP nun seine Restrukturierungsbemühungen, um die Cashflow-Stabilität zu sichern.
Analysten beobachten die strategische Neuausrichtung des Unternehmens genau. Die HSBC stufte BP kürzlich von "Reduce" auf "Hold" hoch und erhöhte das Kursziel – als entscheidenden Faktor nannte sie den Verkauf der Raffinerie, der die Verbindlichkeiten deutlich verringere. Auch die US-Regierung griff in die Lieferkettenprobleme ein und erteilte eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung vom Jones Act, die es ausländischen Schiffen erlaubt, Waren zwischen US-Häfen zu transportieren.
BP setzt seine Umstrukturierung fort und balanciert zwischen Vermögensverkäufen, Kostensenkungen und Marktschwankungen. Die finanziellen Anpassungen zielen darauf ab, die langfristige Stabilität des Konzerns zu sichern – doch externe Faktoren wie Preisschwankungen beim Öl und regulatorische Auflagen bleiben eine Belastung. Mit bereits abgeschlossenen Veräußerungen im Wert von 11 Milliarden Dollar wird sich zeigen, wie gut es BP gelingt, sich in einem sich wandelnden Energiemarkt zu behaupten.






