Geringverdiener zahlen immer mehr für Heizung und Strom – Caritas fordert dringend Reformen
Amelie SeidelGeringverdiener zahlen immer mehr für Heizung und Strom – Caritas fordert dringend Reformen
Geringverdiener-Haushalte in Deutschland kämpfen mit steigenden Energiekosten für Wohnraum, wie aus dem aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht des Landes hervorgeht. Familien mit einem Monatseinkommen von weniger als 1.300 Euro geben demnach mittlerweile rund 10 Prozent ihrer gesamten Ausgaben für Heizung und Strom aus. Wohlhabendere Haushalte – mit Einkommen über 5.000 Euro – wenden dagegen weniger als 5 Prozent für dieselben Posten auf.
Die Wohlfahrtsorganisation Caritas fordert nun stärkere Maßnahmen zur Unterstützung benachteiligter Haushalte. Sie setzt sich für gesetzliche Vorgaben ein, die Vermieter verpflichten würden, in Mietwohnungen klimafreundliche Heizsysteme einzubauen. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa argumentiert, dass solche Anlagen Mietern langfristig stabile Energiepreise bieten und gleichzeitig die Emissionen senken würden.
Zudem plädiert Caritas für einen Ausbau sozialer Leistungen und Dienstleistungen wie den "Energie-Spar-Check", um die finanzielle Belastung zu verringern. Die Kampagne fällt in eine Phase, in der Deutschlands "Wärmewende" – der Umstieg auf klimaneutrales Heizen – die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas verringern soll.
Bisher hat jedoch kein Bundesland oder keine Stadt verbindliche Sanierungsvorgaben für Mietwohnungen erlassen. Allerdings tritt 2029 eine bundesweite Regelung in Kraft – die sogenannte "Bio-Treppe". Sie schreibt vor, dass neue Gas- oder Ölheizungen ab dann mindestens 10 Prozent klimafreundliche Brennstoffe nutzen müssen, mit schrittweisen Steigerungen bis 2040. Ab 2028 gelten zudem Quoten für Brennstofflieferanten. Eine früher geplante Vorgabe, wonach neue Anlagen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, wurde jedoch gestrichen.
Wärmepumpen, die beliebteste grüne Heizalternative, verzeichneten 2025 mit 299.000 verkauften Geräten einen Rekord – ein Anstieg um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch wie viele Haushalte in Deutschland mittlerweile klimafreundliche Systeme nutzen, ist nicht genau bekannt.
Ein beschleunigter Umstieg auf umweltfreundliches Heizen könnte die Kosten für einkommensschwache Familien senken und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Caritas besteht darauf, dass rechtliche Änderungen nötig sind, um einen fairen Zugang zu bezahlbarer und nachhaltiger Energie zu gewährleisten. Ohne strengere Regeln drohen vielen Mietern weiterhin hohe Belastungen durch schwankende Energiepreise.






