Bachmannpreis 2024: Ehrungen, Eklats und die Zukunft der deutschsprachigen Literatur
Anna KrauseBachmannpreis 2024: Ehrungen, Eklats und die Zukunft der deutschsprachigen Literatur
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt ehrten mehrere Autor:innen für ihr Werk – doch die Veranstaltung zeigte auch die Spannungen innerhalb der Literaturszene, in der wirtschaftliche Themen und persönliche Kritik die Debatten prägten.
Magdalena Schrefel erhielt den 3sat-Preis für ihren Text „Kirschen, Herz in der Schlinge“ – eine persönliche Auseinandersetzung mit der Diagnose Brustkrebs. Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis für ihren sprachlichen Witz und die Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“ ausgezeichnet. Ozan Zakariya Keskinkılıç gewann den Deutschlandfunk-Preis für „Vater ohne Sohn“.
Schaette sicherte sich sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis, den Bachmann-Preis, als auch den Publikumspreis für „Was wir tragen“ – einen Text über lebenslange Gewalt und Bewältigungsstrategien von Menschen mit Adipositas. Slata Roschals Lesung, die zwar prekäre Lebensumstände thematisierte, richtete sich vor allem gegen die Literaturbetriebe selbst. Nach ihrem Auftritt verweigerte sie die Konfrontation mit der Jury und warf dieser mangelnde Unterstützung für Autor:innen vor.
Die in diesem Jahr ausschließlich aus Frauen bestehende Jury bezog sich in ihren Kommentaren häufig auf finanzielle Aspekte. Zudem wurde während des Festivals Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ präsentiert – eine auf einen glühend heißen Sommertag angesetzte Gerichtsszene, in der Gott selbst auf der Anklagebank sitzt.
Das Festival endete mit mehreren Preisträger:innen und kontroversen Diskussionen über deren Texte. Die Debatten spiegelten größere Sorgen wider: Unterstützung, Repräsentation und wirtschaftliche Zwänge in der Literaturszene.
