Warum freundschaftliche Lippenküsse heute völlig normal sind
Umarmungen mit Kuss: Freundschaftliche Lippenküsse werden immer normaler – und akzeptierter
Platonische Küsse unter Freunden sind auf dem Vormarsch – und stoßen zunehmend auf Akzeptanz. In den vergangenen fünf Jahren haben Prominente wie Scarlett Johansson, Jonathan Bailey und Cat Deeley solche freundschaftlichen Lippenküsse öffentlich ausgetauscht. Körpersprache-Expert:innen deuten diese Gesten mittlerweile als natürliche Art, Nähe zu zeigen und Zuneigung auszudrücken, ganz ohne romantische Absicht.
Hinter dem Wandel stehen tiefgreifendere kulturelle Veränderungen. Durch Social-Media-Clips, Fernsehserien und medienwirksame Momente sind solche Zuneigungsbekundungen vor allem bei jüngeren Zielgruppen längst zur Normalität geworden.
Im Juni 2026 küssten Scarlett Johansson und Jonathan Bailey auf dem roten Teppich bei der Premiere von Jurassic World: Rebirth die Lippen des anderen. Bailey rechtfertigte die Geste später mit den Worten: "Ich glaube daran, Liebe auf die vielfältigsten Weisen zeigen zu können." Johannssons Ehemann, Colin Jost, soll damit kein Problem gehabt haben – auch vor dem Hintergrund, dass Bailey offen schwul lebt.
Fast zeitgleich küsste die Moderatorin von This Morning, Cat Deeley, ihre beste Freundin, die Designerin Charlie Brear, auf den Mund. Deeley ist bereits öfter mit ähnlichen "Freundinnen-Küssen" an der Seite anderer weiblicher Freundinnen gesichtet worden. Die Körpersprache-Expertin Judi James vergleicht solche Gesten mit dem sogenannten "Guppy-Kuss" bei Primaten – einem urtümlichen Ritual, das soziale Bindungen stärkt und Stress abbaut.
Dass Prominente sich so verhalten, ist kein neues Phänomen. Auch Hannah Waddingham, Gigi Hadid und Madonna haben in den letzten Jahren öffentlich Freunde auf den Mund geküsst. James erklärt, dass die nicht-sexuelle Natur dieser Küsse tiefe Freundschaft statt Anziehung betont. Diese Deutung passt zu einem größeren kulturellen Trend: Seit 2021 haben virale Momente – etwa K-Pop-Idole in Fanvideos oder Harry Styles, der bei Veranstaltungen Freunde umarmt – solche Zuneigungsbekundungen in den Mainstream getragen.
Auch Serien wie Euphoria und Heartstopper haben dazu beigetragen. Während solche Küsse früher noch auf Kritik stießen, werden sie heute oft als platonische Geste wahrgenommen – besonders von der Generation Z in den USA, Europa und Asien. Der Wandel zeigt eine wachsende Gelassenheit im Umgang mit körperlicher Zuneigung, die sich nicht an romantischen oder geschlechtsspezifischen Normen orientiert.
Platonische Lippenküsse sind in vielen Kreisen längst keine Seltenheit mehr und lösen kaum noch Kontroversen aus. Expert:innen sehen darin ein Bindungsverhalten, wie es auch im Tierreich zu beobachten ist, während Prominente und Medien die Praxis weiter enttabuisieren. Für jüngere Generationen sind solche Gesten heute ein ebenso selbstverständliches Zeichen von Freundschaft wie eine Umarmung oder ein Händedruck.






