05 June 2026, 15:50

Linke gedenkt NS-Bücherverbrennung – doch Kritik an Auslassungen wächst

Linkspartei und Anti-Zionismus

Linke gedenkt NS-Bücherverbrennung – doch Kritik an Auslassungen wächst

Berlins Linke veranstaltete öffentliche Lesung zum 91. Jahrestag der NS-Bücherverbrennungen

Am 10. Mai hielt die Berliner Linke eine öffentliche Lesung ab, um an den 91. Jahrestag der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen zu erinnern. Die unter dem Titel „Lesen gegen das Vergessen“ stehende Veranstaltung fand am Bebelplatz statt – jenem Ort, an dem 1933 Tausende Bücher vernichtet wurden. Die Organisator:innen wollten damit die verfolgten Autor:innen ehren und sich gegen Rassismus, Hass und geschichtliche Verdrängung stellen.

Die Bücherverbrennungen von 1933 waren Teil der NS-Kampagne „Aktion wider den undeutschen Geist“. Die Propaganda der Zeit verurteilte Werke, die vom sogenannten „jüdischen Geist“ geprägt seien. Viele der verbrannten Bücher stammten von jüdischen Autor:innen, doch die Säuberungswelle traf auch nichtjüdische Schriftsteller:innen, deren moderne Ideen als gefährlich galten.

Die Veranstaltung der Linken wurde von der Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner auf Instagram angekündigt. In ihrem Beitrag erwähnte sie jedoch nicht, dass der Großteil der verbotenen Autor:innen jüdischer Herkunft war. Diese Auslassung spiegelt eine größere Entwicklung innerhalb der Partei wider, in der antizionistische Stimmen an Einfluss gewonnen haben. Kritiker:innen werfen der Linken vor, dass die Darstellung Israels als „rassistisches Projekt“ oft zu einer Verharmlosung von Antisemitismus führe.

Die Lesung fiel in eine Phase vor den Berliner Landtagswahlen im September. Die internen Konflikte der Partei in den Fragen Antisemitismus und Zionismus sind in jüngsten Debatten deutlicher zutage getreten.

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Die Veranstaltung am Bebelplatz lenkte den Blick auf historische Zensur und löste zugleich Diskussionen über heutige politische Sprachmuster aus. Durch das Ausblenden der jüdischen Identität der meisten verbotenen Autor:innen unterstrich sie die anhaltenden Spannungen innerhalb der Linken. Diese Auseinandersetzungen dürften die Positionierung der Partei im Vorfeld der anstehenden Wahlen prägen.

Quelle