Glasfaserbranche setzt auf offenen Netzzugang – doch Investitionen geraten unter Druck
Amelie SeidelGlasfaserbranche setzt auf offenen Netzzugang – doch Investitionen geraten unter Druck
Offensive für offenen Netzzugang: Deutschlands Glasfaserbranche im Umbruch
In der deutschen Glasfaserbranche gewinnt die Forderung nach offenem Netzzugang zunehmend an Fahrt. Immer mehr Netzbetreiber und Regulierungsbehörden diskutieren, wie sich Wettbewerb und Investitionen in neue Infrastruktur in Einklang bringen lassen. Aktuelle Geschäfte und regulatorische Vorhaben deuten darauf hin, dass der Sektor auf mehr Interoperabilität und geteilte Netzinfrastrukturen zusteuert.
Derzeit bauen fast 300 Unternehmen in Deutschland Glasfasernetze aus. Bei 1&1 Versatel fordern bereits 83 Prozent der Kunden die Möglichkeit, zwischen mehreren Anbietern wählen zu können. Dieser Druck veranlasst die Betreiber, Modelle für offenen Netzzugang zu prüfen, bei denen Drittanbieter bestehende Leitungen nutzen dürfen.
Deutsche GigaNetz hat bereits Kooperationen mit dem schwedischen Internetdiensteanbieter Bahnhof und Westconnect geschlossen. Gleichzeitig wird Plusnet seine Dienste über die Netze von OXG anbieten. Diese Partnerschaften folgen der Branchenentscheidung, den standardisierten S/PRI-Anschluss zu übernehmen – eine Schnittstelle, die die Kompatibilität zwischen verschiedenen Glasfasersystemen verbessern soll.
Auch die Regulierungsbehörden werden aktiv: Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der verpflichtende Verhandlungen über Netzzugang vorschreibt. Einige Betreiber warnen jedoch, dass zu strenge Vorgaben künftige Investitionen bremsen könnten. Die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge kündigten unterdessen an, ihr eigenes Glasfasernetz bis 2030/2031 für Konkurrenten zu öffnen.
Der Wandel hin zu offenem Netzzugang verändert den deutschen Glasfasermarkt grundlegend. Standardisierte Schnittstellen und neue Partnerschaften erleichtern es Anbietern, Infrastruktur gemeinsam zu nutzen. Doch die Debatte darüber, wie fairer Wettbewerb gesichert werden kann, ohne den Netzausbau zu verlangsamen, geht weiter.






