24 March 2026, 10:08

"Den Himmel mit beiden Händen halten": Ein Mädchen zwischen Radikalismus und Vernachlässigung

Ein altes Buch mit einer detaillierten Karte von Berlin auf dem Cover, das Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten zeigt, begleitet von Texten über die Bevölkerung und Merkmale der Stadt.

"Den Himmel mit beiden Händen halten": Ein Mädchen zwischen Radikalismus und Vernachlässigung

"Den Himmel mit beiden Händen halten" – ein neuer Roman über ein Mädchen zwischen Radikalismus und Vernachlässigung

Der neue Roman "Den Himmel mit beiden Händen halten" erzählt die erschütternde Geschichte von Lale, einem Mädchen, das in den 1980er-Jahren in Berlins radikaler Linksszene aufwächst. Ihre Kindheit spielt sich in einer Männer-WG ab, in der politische Ideale auf Vernachlässigung, Sucht und Gefahr prallen. Das Buch wirft einen schonungslosen Blick auf das Überleben in einer Welt, die weit entfernt ist von Stabilität oder Sicherheit.

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Lales frühe Jahre sind vom Chaos geprägt. Als Tochter einer heroinabhängigen Mutter und eines Vaters, der in der radikalen APO-Bewegung aktiv ist, kommt sie in ein Leben voller Instabilität zur Welt. Schon mit eineinhalb Jahren wird sie in staatliche Obhut genommen, nachdem sie Rohypnol-Tabletten verschluckt hat, während ihre drogenbenebelte Mutter sie nicht beschützen kann. Ihr Vater, ein Kleinkrimineller, sitzt zu diesem Zeitpunkt im Gefängnis.

Doch auch die WG, in der Lale aufwächst, bietet keinen sicheren Hort. Zwar zieht ihr Vater später ein, doch er bleibt blind für die Gefahren um sie herum. Das Haus ist eine Drehscheibe für Aktivisten, Alkohol und harte Drogen, in der revolutionäre Debatten mit endlosen Partys verschmelzen. Während andere Frauen nur vorübergehend dort leben, ist Lale ständig den giftigen Substanzen und unkontrollierten Risiken ausgesetzt.

Als Kind erleidet sie sexuellen Missbrauch durch einen Mitbewohner. Die Schule wird zu ihrem einzigen Fluchtort, an dem sie sich bis zur Pubertät sogar gut entwickelt. Doch die Stabilität währt nicht. In der Jugend stürzt sie in Sucht und turbulente Beziehungen ab – ein Spiegelbild der Zerüttung ihrer Herkunft.

Der Roman zeichnet Lales Kampf nach, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der Ideologie die Fürsorge überlagert. Ihre Geschichte spiegelt die Widersprüche der Berliner Autonomenszene wider: eine Bewegung, die Befreiung predigt, ihre Schwächsten aber im Stich lässt.

Lilli Tollkiens Debütroman basiert auf realen Erfahrungen und schildert eine Kindheit zwischen Vernachlässigung und Radikalismus. Das Buch bietet keine einfachen Antworten, doch es erzählt Lales Weg mit schonungsloser Ehrlichkeit. Zurück bleibt das Porträt einer Frau, die sich trotz persönlichem und politischem Systemversagen beharrlich behauptet.

Quelle