Chemiebranche einigt sich nach monatelangem Streit auf neuen Tarifvertrag
Amelie SeidelChemiebranche einigt sich nach monatelangem Streit auf neuen Tarifvertrag
Nach monatelanger Krise: Chemiebranche einigt sich auf neuen Tarifvertrag
Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie hat nach monatelangen Verhandlungen einen neuen Tarifabschluss erzielt. Die Vereinbarung betrifft rund 585.000 Beschäftigte und folgt auf Jahre mit Produktionskürzungen, Stellenabbau und finanziellen Belastungen. Arbeitgeber und Gewerkschaften fanden einen Kompromiss, der sowohl Lohnfragen als auch die Arbeitsplatzsicherheit berücksichtigt.
Seit 2018 kämpft die Branche mit hohen Energiekosten, US-Zöllen, schwacher Nachfrage und globalen Überkapazitäten. Der Konflikt im Iran trieb die Gaspreise zusätzlich in die Höhe und zwang Unternehmen, ihre Produktion zurückzufahren. Besonders hart trafen die Schließungen Sachsen und Sachsen-Anhalt: Dow stellte Standorte in Schkopau und Böhlen ein – 550 Arbeitsplätze gingen verloren –, während DOMO Chemicals in Leuna nur noch mit minimaler Auslastung arbeitet. Auch SKW Piesteritz drosselte die Ammoniakproduktion in Wittenberg um die Hälfte.
Löhne bleiben bis 2027 eingefroren – dann moderate Steigerungen Laut dem neuen Tarifvertrag bleiben die Löhne von März bis Dezember 2026 eingefroren. Ab Januar 2027 steigen die Gehälter um 2,1 Prozent, im Januar 2028 folgt eine weitere Erhöhung um 2,4 Prozent. Die Vereinbarung gilt bis Mai 2028 und umfasst einen Fonds zur Arbeitsplatzsicherung. Arbeitgeber zahlen dafür 2026 und 2027 jährlich 300 Euro pro Beschäftigtem ein – insgesamt rund 350 Millionen Euro. Das Geld soll für Umschulungen, Arbeitszeitverkürzungen und den Erhalt von Standorten verwendet werden.
Trotz der Herausforderungen bleibt die Branche ein zentraler Wirtschaftsfaktor: 2025 erzielte sie einen Umsatz von 220 Milliarden Euro. Doch Großkonzerne wie BASF, Evonik, Dow und Wacker Chemie haben Stellenstreichungen und Sparprogramme angekündigt. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) bezeichnete den Abschluss als "richtungsweisende Maßnahme", um die Branche in schwierigen Zeiten zu stabilisieren.
Tarifvertrag bringt Entlastung – aber die Krise bleibt Der neue Tarifvertrag bietet den Beschäftigten in einer von Werksschließungen und Finanzdruck geprägten Branche zumindest teilweise Entlastung. Der Arbeitsplatzsicherungsfonds soll insbesondere Regionen schützen, die stark von der Chemieproduktion abhängig sind. Die Vereinbarung läuft bis Ende Mai 2028.






