Berliner Theaterbesucher kämpft gegen seine Angst vor nackten Schauspielern – und scheitert fast an Heino und Rammstein
Jakob KrausBerliner Theaterbesucher kämpft gegen seine Angst vor nackten Schauspielern – und scheitert fast an Heino und Rammstein
Ein ungewöhnliches Theatererlebnis in Berlin konfrontierte kürzlich einen Zuschauer mit einer ganz besonderen Angst: die Herausforderung bestand darin, einem Hauptdarsteller zuzuschauen, der für seine komplett nackten Auftritte bekannt ist. Um diese Befürchtung zu überwinden, entstand eine strukturierte Liste immer gewagterer Aufgaben – gipfelnd in einer Kreuzfahrt mit einem verpflichtenden Abendprogramm unter dem Titel „Heino trifft Rammstein“.
Der erste Schritt führte zu einem visuell beeindruckenden Stück über Apokalypse, Durchhaltevermögen und Gemeinschaft. Trotz der drastischen Themen hinterließ die Inszenierung einen starken Eindruck und erntete tosendes Publikumsklatschen. Doch die eigentliche Probe bestand in dem Ruf des Hauptdarstellers, immer wieder die vierte Wand zu durchbrechen und das Publikum einzubinden – meistens unbekleidet.
Nach der Vorstellung schrie ein einzelner Zuschauer wütend Buh von den Rängen, was die angespannte Stimmung noch verstärkte. Zur Erholung folgte eine auflockernde Vorführung von „Frühling für Hitler“. Unterdessen schlug ein Freund eine systematische Desensibilisierung vor, um die Angst direkt zu konfrontieren.
Der erste Punkt auf der Herausforderungsliste klang noch harmlos: Jeden Auftritt des nackten Schauspielers besuchen. Doch die finale Aufgabe – eine Kreuzfahrt mit der Pflichtveranstaltung „Heino trifft Rammstein“ – überstieg schlicht die Grenzen des Erträglichen. Allein der Gedanke löste Übelkeit aus.
Das Stück selbst, so zum Nachdenken anregend es auch war, stammte übrigens nicht von René Pollesch – eine Erkenntnis, die der Erfahrung eine weitere Ebene verlieh.
Das Experiment zeigte, wie weit jemand bereit ist zu gehen, um sich seiner Unbehaglichkeit zu stellen. Während die Auftritte des nackten Darstellers eine bleibende Hürde darstellten, boten die gestuften Herausforderungen zumindest eine Methode, die eigenen Grenzen auszuloten. Die letzte Aufgabe jedoch blieb – zumindest vorerst – in weiter Ferne.






