Berliner Abgabe für Unternehmen ohne Ausbildungsplätze sorgt für Streit und Kritik
Jakob KrausBerliner Abgabe für Unternehmen ohne Ausbildungsplätze sorgt für Streit und Kritik
Berlin führt umstrittene Abgabe für Unternehmen ohne ausreichend Ausbildungsplätze ein
Berlin hat eine kontroverse neue Abgabe eingeführt, die sich gegen Unternehmen richtet, die zu wenige Ausbildungsplätze anbieten. Die vom Abgeordnetenhaus beschlossene Regelung bestraft Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten, wenn ihre Ausbildungsquote unter dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Kritiker werfen der Politik vor, damit Unternehmen unberechtigt zu belasten, in denen schlichtweg keine klassischen Ausbildungsberufe vorkommen.
Ab 2028 müssen Berliner Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden eine Ausbildungsquote von 4,6 Prozent erfüllen – dem aktuellen Bundesdurchschnitt. Wer dies verfehlt, zahlt in einen Fonds ein, aus dem jährlich voraussichtlich rund 75 Millionen Euro generiert werden sollen. Die eigene Ausbildungsquote der Stadt liegt derzeit bei nur 3,1 Prozent und damit deutlich unter dem nationalen Richtwert.
Die Maßnahme stößt bei Unternehmerinnen und Unternehmern auf scharfe Kritik. Moritz Kreppel, Gründer von Urban Sports Club, nannte die Entscheidung "fehlgeleitet" und warf Berlin vor, "das zu bestrafen, was es nicht versteht". Sein Unternehmen, das keine Ausbildungsplätze anbietet, muss nun zahlen – einfach deshalb, weil seine Tätigkeiten nicht zu klassischen Ausbildungsmodellen passen.
Andere Gründer teilen die Frustration. Marius Meiners von Peec AI bezeichnete die Einstellung von Auszubildenden als "absolut undurchführbar", angesichts hoher Arbeitsbelastung und der spezialisierten Natur der Teamarbeit. Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, abtat die Abgabe als "noch ein weiteres falsches Signal" der Stadt. Sein Betrieb setzt auf Automatisierung und praktisches Lernen statt auf formale Berufsausbildungen.
Agnieszka Walorska von Mika verwies auf ein anderes Problem: Nicht die mangelnde Bereitschaft der Unternehmen sei das eigentliche Hindernis, sondern das sinkende Interesse junger Menschen an der dualen Ausbildung.
Die Abgabe betrifft nur Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten – kleinere Unternehmen, die 75 Prozent der Berliner Wirtschaft ausmachen, bleiben ausgenommen. Firmen, die die Quote nicht erreichen, zahlen in einen zentralen Fonds ein, während ausbildende Betriebe unbehelligt bleiben. Zwar soll die Regelung die berufliche Ausbildung stärken, doch viele Unternehmer zweifeln an ihrer Fairness und Praxistauglichkeit.






