Banaszak wirbt mit Pink und Playboy um junge Männer – doch die AfD lockt anders
Jakob KrausBanaszak wirbt mit Pink und Playboy um junge Männer – doch die AfD lockt anders
Vor der Europawahl 2024 wendet sich Felix Banaszak von den Grünen direkt an junge Männer – ein Aufruf, der im scharfen Kontrast zur Strategie der rechtspopulistischen AfD steht, die ebenfalls mit umstrittenen Botschaften männliche Wähler umwirbt. Die Debatte um Männerbilder und Geschlechtergerechtigkeit rückt damit in den Mittelpunkt der deutschen Politik.
Gleichzeitig blicken einige Frauenverbände skeptisch auf die Verschiebung des Fokus weg von langjährigen feministischen Prioritäten.
Vor zwanzig Jahren trug Fußballtorwart Tim Wiese noch pinkfarbene Handschuhe auf dem Platz, ohne dass dies Diskussionen über Männlichkeit auslöste. Heute ist die Farbe zu einem Symbol in einer weitaus größeren Debatte geworden. Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, hat kürzlich sein Büro pink gestrichen – eine kleine, aber bewusste Geste. Zudem nutzte er ein Interview mit dem Playboy, um eine feministische Botschaft zu verbreiten und junge Männer aufzufordern, traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen.
Banaszak argumentiert, dass starre Erwartungen nicht nur Frauen, sondern auch Männer belasten. Er gibt zu, dass sein früherer Ton zu konfrontativ war, betont nun aber die Notwendigkeit von Offenheit – ohne dabei an Entschlossenheit einzubüßen. Diese Haltung entwickelte er nach einem Social-Media-Post im vergangenen Jahr, in dem er seine Scham über die Missbrauchsvorwürfe gegen Schauspieler Christian Ulmen zum Ausdruck brachte und Männer aufforderte, ihre Rolle in Systemen zu reflektieren, die Gewalt ermöglichen.
Der Versuch der Grünen, Männer stärker in die Gleichstellungspolitik einzubinden, ist nicht neu. Bereits 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Doch nicht alle sind überzeugt. Auf einer jüngsten Sitzung des Bundesfrauenrats äußerten Teilnehmerinnen die Sorge, dass eine stärkere Konzentration auf Männerfragen Ressourcen von Frauenprogrammen abziehen könnte.
Die politische Spaltung unter jungen Wählern ist eklatant: Bei der letzten Bundestagswahl votierten Männer unter 24 Jahren mehrheitlich für die AfD, während Frauen derselben Altersgruppe eher linksliberale Parteien unterstützten. Der AfD-Politiker Maximilian Krah riet jüngst jungen Männern, die Probleme bei der Partnersuche hätten, „nach rechts“ zu gehen – eine Aussage, die Kritiker als rückwärtsgewandt brandmarken. Banaszaks Herausforderung besteht darin, eine Alternative zu bieten, ohne dabei eine der beiden Seiten zu verprellen.
Seine Strategie zielt darauf ab, Männlichkeit durch feministische Prinzipien neu zu definieren. Durch die Nutzung ungewöhnlicher Plattformen wie dem Playboy setzt er sich bewusst von klassischen politischen Kommunikationswegen ab. Ob sein Ansatz Anklang findet, hängt maßgeblich von den Reaktionen der Frauenverbände und der jungen Wähler ab.
Da auch die AfD um enttäuschte junge Männer wirbt, wird die Debatte über Geschlecht und Politik vor den Europawahlen weiter an Fahrt aufnehmen.






