ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?
Anna KrauseARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?
Die ARD testet eine längere Version ihrer Hauptnachrichtensendung Tagesschau. Der Probebetrieb startet am Montagabend mit einer 30-minütigen Ausgabe um 20:15 Uhr – doppelt so lang wie gewöhnlich. Der Sender erhofft sich von dieser Änderung, das Vertrauen in die Medien zu stärken und Zuschauer zurückzugewinnen, nachdem die Einschaltquoten jahrelang gesunken sind.
Die Zuschauerzahlen der 15-minütigen Tagesschau sind in den vergangenen fünf Jahren stark zurückgegangen. 2021 verfolgten die Sendung im Schnitt noch 7,5 Millionen Menschen, doch bis 2025 sank die Zahl auf etwa 4,2 Millionen – ein Rückgang von rund 44 Prozent. Gleichzeitig verzeichnen kürzere Formate wie die Tagesschau-App, die zwei- bis dreiminütige Clips anbietet, bei der jüngeren Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ein Wachstum von 25 Prozent.
WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn begründet die verlängerte Sendedauer damit, dass so globale Nachrichten stärker mit persönlichen Erfahrungen verknüpft werden könnten. Er ist überzeugt, dass das längere Format die Sendung alltagsrelevanter macht. Doch nicht alle teilen diese Einschätzung.
Kritiker wie Anna Mayr von der Zeit argumentieren, die Tagesschau brauche vor allem mehr Qualität und nicht einfach mehr Zeit. Einige Journalisten hinterfragen, ob die Jagd nach Alltagsbezügen die richtige Strategie für ein Nachrichtenformat sei. Andere warnen, dass der 30-Minuten-Slot das ARD-Abendprogramm durcheinanderbringen und Konkurrenzsender beeinträchtigen könnte.
Vorerst ist der Testlauf befristet. Eine endgültige Entscheidung, ob die Änderung dauerhaft umgesetzt wird, steht noch aus.
Mit der verlängerten Tagesschau will die ARD den jahrelangen Quotenverfall stoppen und ein Publikum erreichen, das zunehmend kürzere Nachrichtenclips bevorzugt. Sollte das 30-minütige Format erfolgreich sein, könnte es die Art und Weise verändern, wie die ARD künftig die Abendnachrichten gestaltet. Der Ausgang des Probebetriebs wird zeigen, ob die Neuerung bleibt – oder ob die Sendung zu ihrer ursprünglichen Länge zurückkehrt.






